Remo Zumstein
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Dem Tod mit Poesie begegnen

Wie lässt sich über Sterben, Verlust und Endlichkeit sprechen, ohne dass ein Abend nur schwer wird? Mit Poesie, persönlichen Geschichten und auch Humor. Am 27. Oktober zeigt «Poetry Slam auf der Bühne, Dialog an der Bar» unterschiedliche Perspektiven auf Leben und Tod. Einer der Auftretenden ist der Berner Poetry-Slammer Remo Zumstein.

Der Tod ist kein einfaches Thema. Remo Zumstein sieht gerade darin einen Grund, um sich literarisch damit auseinanderzusetzen. Ihn interessiert, wie auch aus schwierigen Erfahrungen etwas Bedeutungsvolles oder sogar Schönes entstehen kann. 

Remo Zumstein steht seit vielen Jahren auf Bühnen und schreibt einen grossen Teil seiner Texte auf Berndeutsch. Am Anlass in der Amboss Rampe treffen sein Zugang und jene von Gina Walter, Fine Degen und Lukas Becker aufeinander. Joel Perrin, Arzt und Poetry-Slammer, moderiert den Abend.

Vor und nach dem Bühnenprogramm geht das Gespräch weiter: Fachpersonen aus der spezialisierten Palliative Care von Spitex Zürich und dem Stadtspital Zürich laden an der Bar zum persönlichen Austausch ein. Wer Fragen hat, eigene Erfahrungen teilen oder einfach zuhören möchte, kann sich daran beteiligen.



«Manchmal hat der Tabubruch etwas Befreiendes» 

Im Kurzinterview erzählt Remo Zumstein, weshalb sich gerade Poesie und Humor eignen, um sich der Endlichkeit anzunähern. 

Du schreibst über Dinge, denen man manchmal fast nur mit Humor begegnen kann. Gehört der Tod für dich dazu? 
Ja! Über etwas zu schreiben, was mich selbst umtreibt, ist für mich eine zentrale Voraussetzung. Wenn es aktuell gerade der Tod ist, dann sehe ich darin auch eine Herausforderung: Wie kann ich sogar hieraus etwas Bedeutungsvolles, vielleicht sogar Schönes entstehen lassen? 

Du hast sogar ein Buch mit dem Titel «All Must Die» veröffentlicht. Warum eignet sich ausgerechnet die Endlichkeit für schwarzen Humor? 
Das Buch ist in Anlehnung an Hugleikur Dagsson entstanden, meinen Lieblings-Comiczeichner. Galgenhumor ist manchmal das letzte Mittel, um schreckliche oder zumindest verunsichernde Dinge für einen Moment etwas leichter zu machen. Manchmal hat der Tabubruch etwas Befreiendes oder sogar Kathartisches. Und er kann auch ein Schritt in einem Trauerprozess sein. 

Wo liegt für dich die Grenze? Wann hilft Humor beim Sprechen über Tod und Sterben und wann wird er unangebracht?
Der Rahmen muss dafür gegeben sein: Ein Buch, eine Veranstaltung, ein Film, ein Gespräch — bei diesen Formaten kann man ein-, aber auch aussteigen. Daher sollte zumindest ein implizites Einverständnis gegeben sein, damit das Thema mit einem gewissen Tiefgang behandelt werden kann. Und selbstverständlich: Wenn ich eine Hochzeitsrede halte oder an einem Geburtstag auftrete, käme es mir auch nicht in den Sinn, über Verlust und Trauer zu reden. 

Remo Zumstein


Viele deiner Texte sind berndeutsch. Verändert Mundart die Art, wie wir über persönliche oder schwierige Dinge sprechen? 
Exzellente Frage! Ich denke, dass das Slammen auf Mundart für mich Unmittelbarkeit schafft. Indem ich darüber in der Sprache spreche, die mir am natürlichsten zur Verfügung steht, wird – so hoffe ich – auch deutlich: Es braucht keine eigens geschaffene Kunst- oder Hochsprache, um über die grossen Gegenstände des menschlichen Lebens zu schreiben. 

Was kann ein Poetry-Slam-Abend über Sterben und Endlichkeit leisten, was eine klassische Informationsveranstaltung kaum schaffen würde? 
Ein Poetry-Slam-Abend ergänzt Information mit Emotion und allenfalls Humor. Literatur kann durch poetische Formulierungen, Rhythmen, Reime usw. Dinge affektiv, manchmal sogar fast körperlich erfahrbar machen. Der persönlich-individuelle Zugang zum Thema eröffnet oft die Möglichkeit, dass andere Anteil nehmen und ihrerseits beginnen, ihre Geschichten zu erzählen. Das hat etwas sehr Verbindendes. 

Was macht das Leben lebenswert? 
Der Anlass will den Blick nicht beim Sterben stehen lassen. Im Zentrum steht ebenso die Frage, was unserem Leben Bedeutung gibt. Es sind dies Familie, Leidenschaft, Herausforderung, Abwechslung und der Sinn für Schönheit. 

Was sagst du jemandem, der bei einem Veranstaltungsabend über den Tod lieber zu Hause bleiben möchte? 
Auch wenn du nicht hingehst, kommt das Thema Endlichkeit früher oder später auf dich zu. Die Beschäftigung damit lohnt sich. Sie kann dir helfen, dein Leben bewusster zu leben und mehr Wertschätzung und Gelassenheit zu entwickeln. 
 

Genau dort setzt «Poetry Slam auf der Bühne, Dialog an der Bar» an. Der Abend will keine fertigen Antworten geben. Er öffnet einen Raum, in dem Sterben, Verlust und Trauer ebenso Platz haben wie Humor, Verbundenheit und die Frage nach dem guten Leben.



Poetry Slam auf der Bühne, Dialog an der Bar 
Dienstag, 27. Oktober, 18 bis 22 Uhr 
Amboss Rampe, Zollstrasse 80, Zürich 

Der Eintritt kostet CHF 10 und kommt dem Verein Hörschatz zugute. 

Vorbeikommen, zuhören, mitlachen, mitdenken, ins Gespräch kommen.

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