Das Stadtspital Zürich und Spitex Zürich arbeiten künftig noch enger zusammen. Im Zentrum stehen schwierige, komplexe Situationen wie besonders anspruchsvolle Spitalaustritte. Dafür gibt es neu ein Verbindungsbüro. Dort stimmen sich Fachpersonen beider Organisationen direkt und persönlich ab. Ziel ist, dass Patientinnen und Patienten nach dem Spitalaufenthalt sicher nach Hause zurückkehren und dort die Unterstützung erhalten, die sie brauchen. Im Doppelinterview erklären Prof. Dr. med. Dominik Weishaupt, Medizinischer Direktor des Stadtspitals Zürich, und Markus Reck, CEO von Spitex Zürich, die engere Zusammenarbeit.
Ihre Organisationen arbeiten schon länger zusammen. Was ändert sich nun?
Markus Reck: Neu ergänzen wir unsere Zusammenarbeit mit dem Stadtspital Zürich durch je einem Verbindungsbüro an den Standorten Waid und Triemli. Damit verbessern wir die bestehenden Abläufe bei besonders herausfordernden Situationen. Pflegeexpertinnen APN von Spitex Zürich und Mitarbeitende des Case Managements des Stadtspitals Zürich arbeiten dort noch enger zusammen.
Dominik Weishaupt: Im Vergleich zu früher sind Spitalaufenthalte kürzer sowie die Situationen der Patientinnen und Patienten komplexer. Deshalb ist die Austrittsplanung heute wichtiger. Wir planen den Übergang vom Spital nach Hause besonders sorgfältig. Bei den meisten Austritten funktionieren die digitalen Abläufe gut. In besonders komplexen Fällen bringt der direkte Kontakt jedoch einen grossen Nutzen. Wenn sich die Fachpersonen kennen, arbeiten sie direkter und verbindlicher zusammen.
Was ändert sich mit dem neuen Verbindungsbüro?
Markus Reck: Das Verbindungsbüro konzentriert sich auf Situationen, in denen medizinische, pflegerische und soziale Fragen eng zusammenhängen. Die Fachpersonen klären gemeinsam, was nötig ist, damit die Patientinnen und Patienten zu Hause stabil versorgt sind. Dazu gehören Pflege, Hilfsmittel, Logistik, Sozialdienst und weitere Angebote. So bereiten sie den Übertritt gezielt vor. Die Teams von Spitex Zürich können sich dadurch optimal organisieren und wissen früh, was zu tun ist.
Dominik Weishaupt: Entscheidend ist, dass die richtigen Fachpersonen früh zusammenarbeiten. Unsere Case-Managerinnen begleiten den Austrittsprozess bereits ab dem Spitaleintritt. Wenn sie anspruchsvolle Fälle direkt mit den Pflegeexpertinnen von Spitex Zürich planen, wird der Übertritt verbindlicher und vorausschauender. Die Wahlfreiheit der Patientinnen und Patienten bleibt gewahrt. Die Zusammenarbeit bedeutet nicht, dass jeder Austritt automatisch über Spitex Zürich läuft. Sie betrifft Situationen, in denen eine enge fachliche Abstimmung sinnvoll ist.
Wie erkennt man eine besonders anspruchsvolle Situation?
Markus Reck: Ein spezifisches Abklärungsinstrument namens COMID hilft, solche Situationen zuverlässig einzuschätzen. Die Spitex des Kantons Genf hat es entwickelt. Bei besonderen Herausforderungen braucht die Austrittsplanung erhöhte Aufmerksamkeit. Dann sind Erfahrung, Pflegeexpertise und ein gutes Netzwerk entscheidend.
Dominik Weishaupt: Das Stadtspital Zürich hat den Austrittsprozess in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und ein spezialisiertes Case Management aufgebaut. Dieses Team besteht aus erfahrenen Fachpersonen und koordiniert – in gewissen Fällen auch unter Einbezug des Sozialdienstes – die Zusammenarbeit mit Partnerinnen und Partnern ausserhalb des Spitals auf hohem fachlichem Niveau. Oft geht es nicht nur um Pflege, sondern auch um Physiotherapie zu Hause, den Sozialdienst, Hilfsmittel oder weitere Unterstützung. Wichtig ist, dass die Beteiligten diese Leistungen früh planen und gut aufeinander abstimmen.
Markus Reck: Genau darin liegt der Mehrwert der engen Zusammenarbeit mit dem Stadtspital Zürich. In diesen sehr anspruchsvollen Situationen soll von Anfang an möglichst viel Stabilität für Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige entstehen. Gerade dann ist es wichtig, dass die Mitarbeitenden der Spitex möglichst wenig wechseln und Pflegemassnahmen nicht ständig angepasst werden müssen.
Warum kann der Übergang vom Spital nach Hause heikel sein?
Dominik Weishaupt: Heute lassen sich viele Behandlungen ambulant durchführen. Patientinnen und Patienten, die im Spital bleiben, sind deshalb oft schwerer erkrankt als früher. Gleichzeitig steigt der Anteil älterer Menschen, die nach dem Austritt zusätzliche Unterstützung benötigen. Zudem ist die Aufenthaltsdauer im Spital kürzer geworden und viele möchten möglichst rasch nach Hause zurückkehren. Das ist verständlich. Umso wichtiger ist es, die Betreuung zu Hause rechtzeitig und sorgfältig vorzubereiten.
Markus Reck: In der Stadt Zürich leben immer mehr Menschen in Einpersonenhaushalten. Viele haben keine Angehörigen, die sie nach dem Austritt organisatorisch unterstützen. Gemeinsam mit dem Case Management klären wir: Wer ist vor Ort? Welche Pflege braucht die Person? Welche Hilfsmittel sind nötig? Wer übernimmt welche Aufgaben? Für reguläre Austritte bestehen definierte digitale Abläufe. In komplexen Situationen müssen Fachpersonen jedoch zusammenkommen, Fragen klären, gemeinsam gute Lösungen entwickeln und diese mit den Patientinnen und Patienten besprechen.
Woran erkennen Sie in fünf Jahren, ob die neue Zusammenarbeit ein Erfolg war?
Dominik Weishaupt: Wir werten die Rückmeldungen der Patientinnen und Patienten aus. Wichtig ist auch, wie viele Personen nach einem Austritt erneut ins Spital müssen.
Markus Reck: Bei Spitex Zürich prüfen wir, wie stabil diese komplexen Situationen zu Hause waren. Konnten die Teams kontinuierlich arbeiten? Waren von Anfang an die richtigen Fachpersonen im Einsatz? Und vor allem: Haben sich unsere Kundinnen und Kunden nach dem Spitalaustritt gut begleitet und sicher unterstützt gefühlt?
Patientinnen und Patienten in schwierigen Situationen profitieren besonders von der neuen Zusammenarbeit zwischen dem Stadtspital Zürich und Spitex Zürich.