Züriwerk
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Inklusion beginnt mit einer Haltung

Die Stiftung Züriwerk und Spitex Zürich verbindet das gemeinsame Ziel, Menschen mit Unterstützungsbedarf im Alltag zu stärken. Geschäftsleiter Roger Stäger erzählt im Interview, wie Züriwerk arbeitet, was ihn antreibt und warum Inklusion für ihn eine Frage der Haltung ist.

Bitte erzählen Sie uns etwas über sich und Ihre Aufgaben bei Züriwerk.
Als Geschäftsleiter trage ich die operative Gesamtverantwortung für Züriwerk. Ich entwickle die Stiftung nachhaltig weiter und stärke sie als leistungsfähige, agile Sozialunternehmung in einem inklusiven System. Dabei orientiere ich mich an unserer Vision einer Gesellschaft, die nicht behindert. Ich entwickle unsere Geschäftsmodelle weiter, baue gezielt Kompetenzen auf und verantworte die Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit von Züriwerk.

Was ist Ihr Lieblingsort in der Stadt Zürich
Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Deshalb schätze ich die Möglichkeiten einer Stadt am See, Spaziergänge am Ufer, Cafés, Bars und Restaurants sowie die besondere Atmosphäre bei Kino-, Ausstellungs- oder Konzertbesuchen.

Was verbindet Sie mit Spitex Zürich?
Spitex Zürich ergänzt die Arbeit von Züriwerk in zentraler Weise. Züriwerk begleitet Menschen mit Unterstützungsbedarf, Spitex Zürich bietet die pflegerischen Leistungen, insbesondere dann, wenn unsere eigenen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Die Angebote greifen ineinander. Wir schätzen das Angebot von Spitex Zürich sehr und pflegen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Züriwerk bietet eine breite Palette an Dienstleistungen. Wie entstehen diese Angebote konkret?
Züriwerk entwickelt seine Angebote nicht am grünen Tisch. Sie entstehen aus der täglichen Arbeit mit Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, aus gesellschaftlichen Anforderungen und aus konkreten Kundenbedürfnissen. Aus den Werkstätten heraus hat sich Züriwerk zu einer bedeutenden Dienstleisterin für industrielle Fertigung und Logistik entwickelt. Die Leistungen entstehen direkt im Arbeitsprozess, in dem Menschen mit Behinderungen begleitet und gefördert werden. Auch die Wohnangebote bauen wir auf den individuellen Fähigkeiten und Lebenssituationen der Menschen auf.

Was treibt Sie persönlich im Alltag an?
Als Geschäftsleiter der Stiftung Züriwerk sind mir vor allem die Aspekte wichtig, die direkt mit dem Kernauftrag der Stiftung, den Menschen und unserer Wirkung zusammenhängen. Besonders interessiert mich, welchen Einfluss unsere Angebote auf die Menschen haben, die bei uns arbeiten oder leben – mit und ohne Behinderung. Ebenso wichtig ist mir die gesellschaftliche Relevanz unseres Handelns. Dazu gehört auch die strategische Weiterentwicklung der Stiftung – insbesondere im Kontext der klaren und sehr begrüssenswerten Inklusionsbewegung, die für mich ein starkes Motiv für mein Engagement ist.

Welche Erfahrung aus Ihrem Alltag würden Sie gerne mit allen Zürcherinnen und Zürchern teilen?
Diese Frage verstehe ich als Einladung, etwas Menschliches, Verbindendes und Inspirierendes mit allen Zürcherinnen und Zürchern zu teilen. Ich denke vor allem daran, welches Potenzial in jedem Menschen steckt – wenn man ihm eine Chance gibt. Menschen mit Beeinträchtigung leisten Erstaunliches, sobald die Rahmenbedingungen stimmen. Zu oft unterschätzen wir, was Menschen können – und überschätzen, was sie nicht können.

Echte Inklusion ist nicht kompliziert, sondern eine Haltung. Ein freundliches Wort oder ein Arbeitsplatz, der Türen und Herzen öffnet, sind einfache Beispiele dafür. Und auch, wie viel Kraft und Bereicherung aus Begegnungen entstehen können. Schon ein kurzer Austausch – in einer Werkstatt, in einer Wohnung oder bei einer Veranstaltung – zeigt dies. Ich bin überzeugt: Soziale Verantwortung ist ein gemeinsamer Auftrag – und Zürich ist dafür ein idealer Ort.

Wo erleben Sie Zürich als besonders solidarisch?
Ich erlebe Zürich besonders dort als solidarisch, wo Menschen bewusst füreinander da sind – im Alltag und im Arbeitsleben. Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Das zeigt sich zum Beispiel bei Betrieben, die Chancen ermöglichen, wo sie nicht selbstverständlich sind. Viele Zürcher Firmen leben Solidarität, indem sie Ausbildungs- oder Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen schaffen und seit vielen Jahren verlässlich und partnerschaftlich mit unseren Werkstätten zusammenarbeiten.
Nicht zuletzt gibt es auch viele Zürcherinnen und Zürcher – oder Unternehmen –, die unsere Dienstleistungen und Produkte bewusst bevorzugen.
 
Worauf freuen Sie sich im Alter?
Das ist eine sehr persönliche Frage – und gleichzeitig eine, die mich zum Nachdenken anregt. Als jemand, der täglich mit Menschen, Entwicklungsthemen und Verantwortung zu tun hat, sehe ich drei Bereiche, die mich besonders beschäftigen.

Mehr Zeit für das Wesentliche: Ich freue mich darauf, den Takt selbst bestimmen zu können – ohne vollen Terminkalender und ohne Dauerdruck. Zeit für Dinge zu haben, die oft zu kurz kommen: Lange Gespräche, Velofahren und Bücher, die darauf warten, gelesen zu werden.
Beziehungen, die noch wichtiger werden: Es wird mir guttun, Menschen zu treffen, die mir Energie geben. Mehr Zeit mit der Familie zu verbringen und Freundschaften zu pflegen, die – hoffentlich – noch tiefer werden.
Mehr Raum für das, was mir wirklich entspricht – und ein neugieriger Blick nach vorne: Neues zu entdecken und Projekte zu verfolgen, für die im Moment zu wenig Zeit bleibt. Vielleicht beginne ich dann sogar ein Projekt, das nur mir selbst gehört.


Spitex Zürich engagiert sich in den Quartieren der Stadt Zürich und pflegt den Austausch mit anderen Akteurinnen und Akteuren des städtischen Lebens. In der Serie #SpitexZürichtrifft stellen wir Institutionen vor, die Zürich mitgestalten – und die Menschen, die dahinter stehen.