Social Media prägt den Alltag von Jugendlichen und jungen Erwachsenen – und beeinflusst auch ihre psychische Gesundheit immer stärker. Im Mental Health U25-Team erleben wir, wie ein hoher Social-Media-Konsum depressive Symptome, soziale Isolation und den Rückzug aus dem Alltag verstärken kann. Was sind die Risiken? Und wie lassen sich junge Menschen besser schützen?
Von Michelle Hunziker und Rahel Hutter*
Social-Media-Plattformen sind aus dem Alltag kaum noch wegzudenken – bei Jugendlichen ebenso wie bei Erwachsenen. Viele kennen das endlose Scrollen auf YouTube, Instagram oder TikTok.
Täglich begleiten wir Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 25 Jahren mit psychischen Belastungen. Dabei spielt Social Media im Alltag häufig eine grosse Rolle und wir erleben die Auswirkungen unmittelbar.
Der politische Druck wächst
Auch die Politik reagiert. Australien führte im Dezember 2025 als erstes Land eine Social-Media-Sperre für unter 16-Jährige ein. In Frankreich stimmte der Senat im Juli 2026 für ein Verbot für unter 15-Jährige. Das Gesetz ist damit jedoch noch nicht endgültig beschlossen.
Der Druck auf die Plattformbetreiber steigt ebenfalls. Meta zahlte 2026 in den USA mehrere Milliarden Dollar, um einen Rechtsstreit über die Folgen seiner Plattformen für Kinder und Jugendliche beizulegen. Zugleich verschärfte der Konzern die Regeln für jugendliche Nutzerinnen und Nutzer von Instagram und Facebook.
Was wir im Alltag beobachten
Wie wirkt sich der Konsum von Social Media auf die psychische Gesundheit aus? Und wie lassen sich Nutzerinnen und Nutzer besser schützen?
Aufgrund der rasanten Entwicklung gibt es bisher nur wenige Studien. Eine australische Studie zeigt bei Jugendlichen ein leicht erhöhtes Risiko für starke depressive Symptome, wenn sie Social Media täglich mehr als zwei Stunden nutzen.
In der täglichen Arbeit beobachten wir häufig suchtartiges Verhalten bei der Nutzung von Social Media. Dieses geht oft mit hoher Bildschirmzeit und Schwierigkeiten einher, Alltagsaufgaben zu bewältigen. Besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit depressiven Symptomen kann eine intensive Nutzung zu Antriebslosigkeit führen, den Tagesablauf beeinträchtigen, soziale Isolation verursachen und Schlafprobleme auslösen.

Social Media kann zudem dazu führen, den Bezug zur Realität zu verlieren. Der Kontakt zur Welt ausserhalb von Social Media scheint immer schwächer zu werden. Influencerinnen und Influencer inszenieren eine Scheinwelt mit vermeintlich perfektem Leben, luxuriösem Lebensstil und unrealistischen Schönheitsidealen. Dies vermittelt gerade Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein verzerrtes Bild der Realität und führt zu Frustration und Selbstzweifeln.
Wir erleben zudem Jugendliche und junge Erwachsene, denen soziale Kontakte schwerfallen, weil sie diese ausschliesslich über Social Media pflegen. Dadurch vermeiden sie persönliche Begegnungen sowie den Aufbau und die Pflege von Freundschaften. So verkümmern soziale Fertigkeiten ausserhalb des Internets.
Eine weitere Herausforderung sind problematische Inhalte, mit denen Jugendliche und junge Erwachsene auf Social Media konfrontiert werden. Laut einer Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest stossen Nutzerinnen und Nutzer ungewollt und unkontrolliert auf problematische Inhalte. Dazu gehören Fake News, Hassreden, extreme politische und religiöse Inhalte sowie Gewaltdarstellungen und Nacktbilder. Besonders erschreckend: Mehr als ein Drittel der Jugendlichen berichtet, sich an problematische Inhalte gewöhnt zu haben.
Warum bietet Social Media gerade für eine besonders schützenswerte Zielgruppe so wenig Schutz?
Auch in der Schweiz braucht es strengere Richtlinien für Social Media. Sie sollen Jugendliche und junge Erwachsene besser vor problematischen Inhalten und suchtartigem Verhalten mit seinen negativen Folgen schützen.

Ebenso wichtig ist es, die Medienkompetenz von Eltern und Schulen zu stärken. So können sie Kinder und Jugendliche früh an einen bewussten Umgang mit Social Media heranführen, sie aufklären und begleiten.
Social Media gehört zum Alltag junger Menschen und ist daraus nicht mehr wegzudenken. Umso wichtiger ist es, Risiken ernst zu nehmen, junge Menschen zu schützen und sie gleichzeitig dabei zu unterstützen, einen gesunden und bewussten Umgang mit den digitalen Medien zu entwickeln.
Quellenangaben
Vijayakumar, N., Dashti, S. G., Canterford, L., Ellul, S., Parissi, A. J. A., Goddings, A.-L., Viner, R. M., Moran, P., Borschmann, R., Mundy, L. K., Robson, E. M., & Sawyer, S. M. (2026). The Effects of Social Media on Adolescent Mental Health: Findings From a Population-Based Cohort Study in Australia. The Medical Journal of Australia, 224 (6), e70220. https://doi.org/10.5694/mja2.70220
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest. (2026). JIMplus 2026: Digitales Wohlbefinden von Jugendlichen in Deutschland. mpfs.de
* Michelle Hunziker und Rahel Hutter sind Pflegefachpersonen im Team Mental Health u25 von Spitex Zürich