Für Menschen mit psychischen Belastungen kann bereits das Verlassen der eigenen Wohnung eine grosse Hürde sein. Zum Welttag der psychischen Gesundheit am 10. Oktober zeigt Spitex Zürich, wie die Freizeitgruppe von Mental Care Gemeinschaft schafft und soziale Isolation reduziert. Pflegefachfrau Delia Stutz erzählt, was kleine gemeinsame Erlebnisse bewirken können.
Eine Katze sprang auf den freien Stuhl, drehte sich einmal im Kreis und setzte sich hin. Für einen Moment richtete sich alle Aufmerksamkeit auf sie. Ein Lächeln huschte über ein Gesicht, das eben noch angespannt wirkte. Im Casa del Gato, dem ehemaligen Katzencafé in Zürich Wiedikon, entstand etwas, das im Alltag vieler Teilnehmenden selten ist: Leichtigkeit.
Es ist Donnerstagnachmittag, Zeit für die Freizeitgruppe von Spitex Zürich. Diese wird von Mitarbeitenden im Bereich Mental Care organisiert. Dieses Mal leitet sie Delia Stutz, die seit Juni 2025 bei Spitex Zürich als Pflegefachfrau Mental Care arbeitet. Zuvor war sie in einer stationären psychiatrischen Institution tätig; heute begleitet sie Kundinnen und Kunden ambulant. «Ich bin näher am Alltag der Menschen», sagt sie, «und koordiniere vieles selbst.»
Gemeinschaft statt Therapie
Die Teilnehmenden leben oft sehr zurückgezogen. Depressionen, Angststörungen oder psychotische Symptome prägen ihren Alltag. Manche kostet es grosse Überwindung, die eigene Wohnung zu verlassen. Schon der Weg zum Treffpunkt der Gruppe ist ein bedeutender Schritt.
Genau hier setzt die Freizeitgruppe an. Sie schafft einen Rahmen, in dem Gemeinschaft im Vordergrund steht – nicht Therapie. Ein kurzer Spaziergang gehört zu fast jedem Gruppentreffen, dessen Hauptaktivitäten ein Cafébesuch, ein Museumsrundgang, im Winter Kerzenziehen oder ein Ausflug auf den Uetliberg bei schönem Wetter sein können. Auch Tiere können dabei als Türöffner wirken.
Kleine Schritte mit Wirkung
Die Gruppe umfasst meist vier bis sechs Personen. Für einige ist das Treffen mit den anderen Teilnehmenden der einzige regelmässige soziale Kontakt in der Woche. Delia Stutz beobachtet kleine, positive Veränderungen: mehr Blickkontakt, lebendigere Gespräche, ein Lachen. Eine Teilnehmerin mit Panikattacken verlässt kurz den Raum und kommt zurück. Jemand bleibt nach dem offiziellen Ende noch sitzen, vertieft in ein spannendes Gespräch. Zwischen einzelnen Teilnehmenden entstehen Freundschaften.

«Viele haben verlernt, was ihnen gut tut», sagt Delia Stutz. «Wir setzen einen Impuls, indem wir rausgehen und etwas unternehmen.» Gleichzeitig fördert die Gruppenaktivität die Selbstständigkeit. Auch für Delia Stutz sind diese Stunden besonders. «Es ist eine andere Ebene», sagt sie. «Weniger therapeutisch, mehr zwischenmenschlich.»
Am Tisch wird weiter gesprochen, leise, konzentriert. Als sich die Gruppe verabschiedet, ist die Stimmung gelöster als zu Beginn.
Dass diese Nachmittage stattfinden können, ist dem Projekt Sternstunden zu verdanken, das vom Verein Spitex Zürich finanziert wird. Möglich ist dies durch Mitgliederbeiträge, Spenden von Gönnerinnen und Gönnern sowie durch Legate. Sowohl die anfallenden Kosten der involvierten Spitex-Mitarbeitenden als auch die der Teilnehmenden werden vom Verein übernommen.
Der Verein Spitex Zürich bildet das Fundament für viele Angebote, die über die reguläre Pflege und Betreuung hinausgehen. Die Mitglieder des Vereins unterstützen eine starke, lokal verankerte Gesundheitsversorgung und ermöglichen Projekte, die Menschen im Alltag entlasten und soziale Isolation reduzieren. Mitglieder tragen dazu bei, dass Spitex Zürich auch künftig flexibel auf gesellschaftliche Bedürfnisse reagieren und ergänzende Angebote wie Sternstunden realisieren kann.
Die «Sternstunden» des Vereins Spitex Zürich ermöglichen unseren Kundinnen und Kunden Zeit für besondere Momente. Unterstützen Sie die «Sternstunden» mit einer Mitgliedschaft im Verein Spitex Zürich oder einer Spende.